Wir
über uns
Westerwald
und Teddybären -
eine bunte Mischung!
Vera Möller
"Sie sind im falschen Neunkirchen,
wir wohnen in der Nähe von Rennerod!" Nicht zum erstenmal
gab man im Hause Christ diese telefonische Auskunft. "Mit über
zwanzig größeren und kleineren Orten mit dem Namen
`Neunkirchen´ konnte es schon einmal Verwechslungen geben,
wenn Kunden nicht auf die Postleitzahl achteten," meint Verena
Greene-Christ, "nur eine paar Kilometer entfernt befindet sich
schon das nächste Neunkirchen."
Verena Greene-Christ
In idyllischer Westerwaldlandschaft,
inmitten von Feldern, Wiesen und Wäldern wohnt Familie Christ
in einem 500-Seelen Dorf. Als Verena Greene-Christ mit Mutter
Vera Möller, die heute eine der wohl ältesten Bärenmacherinnen
ist, vor zehn Jahren bei Ehemann Siegfried Christ einzog, war
es mit dessen Ruhe vorbei. "Zwei Frauen, drei Katzen, ein Hund
und Hunderte von Teddybären verwandelten den vorher makellosen
Haushalt in ein heilloses Durcheinander," lacht Verena Greene-Christ,
"heute nimmt mein Mann das mit Humor."
Seit 1986 stellte Vera Möller
zuerst Puppen, dann Teddybären her und brachte dieses `Handwerk´
ihrer Tochter bei, die damals noch in den USA lebte. Ende 1987
kehrte die gelernte Floristin nach Deutschland zurück und
das Mutter/Tochter Team startete ihre "Bärenkarriere". Zuerst
auf kleinen Hobby- und Puppenmärkten, dann auf Bärenbörsen
stellten sie ihre Teddys dem Publikum
vor. Nach einem Auftritt im `ZDF-Fernsehgarten´ war es mit
der idyllischen Ruhe vorbei. Es folgte ein Vertrag mit der Firma
sigikid, für die Verena Greene-Christ jahrelang als freie
Designerin Teddybären entwarf.
Siegfried Christ
Nach ihrer Heirat zog sie
mit `Sack und Pack´ in den Westerwald. "Zuerst haben die
Menschen hier mich wahrscheinlich belächelt. Teddybären
sind nicht so ganz der tägliche Erwerbszweig in dieser gegend.
Doch nacj einiger Zeit wurden Kunden oder Anlieferer, die nach
den Teddybärenleuten fragten, zu uns verwiesen." Ehemann
Siegfried Christ arbeitete sich in diese Branche hinein, die für
ihn ungewöhnlich war. Zu dritt stellte man auf Ausstellungen
in ganz Deutschland aus. 1994 entstand die Firma SINA-BEARS.
"Im Anschluß an
ein abendliches Gespräch unter Bärenmachern nach einer
Börse entschieden wir uns spontan zu dem Besuch bei einer
englischen Weberei, um Mohair für den Wiederverkauf zu bestellen,"
erzählt Siegfried Christ, "drei Tage später saßen
wir im Flugzeug und kehrten mit einer Bestellung von sechs Ballen
Mohair zurück. Wir waren unglaublich aufgeregt und stolz."
Der erste Katalog war ein DIN A5 Blatt mit den sechs Mohairstoffen
und einigem Zubehör. Später stellte das Team ihren Groß-
und Einzelhandel mit einem umfangreichen Katalog vor. "Ich war
sehr zufrieden, dass es Kunden gab, die uns von Anfang an bis
zum Schluß treu geblieben sind," sagt Verena Greene-Christ.
Das SINA-BEARS Team stand
im täglichen Kontakt mit den Kunden und wußte, wie
wichtig seine Beratung für die Käufer war. "Andere Anbieter
hatten ein umfangreicheres Programm. Wir boten dafür kleine
Leckerbissen neben dem normalen Zubehör. Musikspieluhren,
Teddymechaniken und Westfalenstoffe
waren ein grosser Faktor, der sich immer weiter entwickelt hatte."
Mit dem breitgefächerten Zubehörangebot konnte fast
jeder Wunsch erfüllt werden. Pappscheiben, Glasaugen, Nadeln,
Garne, Stopfmaterialien, Schnittmuster - das Angebot ließ
sich sehen.
"Unser Bestreben war von Anfang
an, dem Kunden etwas anzubieten, was er zur Zufriedenheit benutzen
kann," sagt Verena Greene-Christ, "wir beobachteten den Markt
seit Jahren, schauten uns nach Neuheiten um, kauften im In- und
Ausland ein. Natürlich gab es mittlerweile andere, auch größere
Anbieter. Was bei uns zählte, war die Beratung, die jeder
Kunde bekam, wenn er diese benötigte. Ich scheute mich auch
nicht, einen anderen Anbieter zu nennen, wenn ein Artikel nicht
bei uns erhältlich war. Vor Jahren bin ich einmal gefragt
worden, ob uns bei den vielen anderen Anbietern, also unserer
Konkurrenz, nicht bange wird. Ich sah nie Konkurrenz, sondern
die Möglichkeit des Kunden, sich frei zu entscheiden."
Auf Börsen konnten die
Kunden immer etwas Neues am Stand von SINA-BEARS finden, denn
gerade für Ausstellungen kaufte Siegfried Christ noch immer
Restposten von ausgefallenen Mohairstoffen auf, um die Bärenmacher
`auf den Geschmack zu bringen´. Verena Greene-Christ litt
richtig, wenn nach einer Einkaufsfahrt das Auto geleert wurde.
"Ich stellte nur noch sehr wenige Teddys her. Wenn mein Mann dann
ausgefallene Restposten mitbrachte, wollte ich mich sofort an
die Nähmaschine setzen." Aber die Zeit reichte oft nicht
für die Herstellung von Bären. Der Versandhandel wurde
von dem Ehepaar Christ mit ganzem Elan betrieben. Nur ab und zu
gelang es der Bärenmacherin zusammen mit Mutter Vera Möller,
ein paar Teddys herzustellen, die entweder auf einigen Ausstellungen
zu sehen waren oder im Bärengeschäft Geßner in
Berlin und im Shop von Maria Devlieghere in Brugge/Belgien angeboten
wurden. Mit der neuen "Colourful Edition"
brachte man eine ausgefallene Teddykollektion auf den Markt. Das
neue Logo `Creative Dreams´ machte aufmerksam auf innovative
neue Designs.
Mit ihrer zweijährigen
Redaktionstätigkeit bei der Zeitschrift TEDDY
& CO. lernte man Verena Greene-Christ als kritische und
faire Beobachterin der Teddyszene, kennen. Sie stellte Bärenkünstler
vor, brachte das Bärenmachen den Hobbykünstlern näher
und berichtete über Neuheiten, Börsengeschehen und aktuelle
Termine. Sie kennt die `Szene´ in- und auswendig, kennt
viele der alten Hasen sowie Newcomer im In- und Ausland. Lange
Zeit war sie als freie Mitarbeiterin für den `BärReport´
in Köln tätig.
"Durch die Arbeit mit den
Teddybären sind wir in ganz Europa herumgekommen," erzählt
die Wahl-Westerwälderin, "ich war ganz glücklich, dass
mich die Reisen auch wieder in die USA führten, denn dort
habe ich fast zehn Jahre gewohnt." Mit dem vor einigen Jahren
gestarteten Versuch, deutsche und europäische Bärenkünstler
in die Staaten auf Messen und Börsen mitzunehmen, fand sie
hierzulande ein offenes Ohr. Die "GETA-Reisen" brauchten
nicht mehr ausgeschrieben zu werden, sie waren oft bis zu einem
Jahr im voraus ausgebucht. Das Ehepaar Christ nahm maximal sechzehn
Bärenkünstler in die Staaten mit, aber auch bärenbegeisterte
Mitreisende waren willkommen. "Wir hatten immer eine Menge Spaß.
Die Reisen sollten für alle Beteiligten ein Erlebnis sein."
Leider hat sich Verena Greene-Christ entschlossen, diese Reisen
nicht mehr anzubieten.
"Unsere Arbeit machte uns
immer wieder viel Freude, auch wenn der Aufwand durch die Ausstellungen
groß war. SINA-BEARS ist geschlossen. Trotzdem kann ich
mir nicht vorstellen, ohne die Teddy-Welt und ohne unsere Freunde
zu leben. Wir werden uns bestimmt nicht völlig zurückziehen."
Heute
fertigt das Team keine Teddybären mehr - Verena Greene-Christ
gibt Schnittdesign-Kurse online (siehe Workshops).
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